Schilderökonomie

Februar 13th, 2013 § 0 comments

Ich musste heute morgen mein Auto ummelden. Wir sind umgezogen, von einem Bundesland ins andere, da braucht man dann neue Schilder. Nach den ersten Formalitäten ging es darum, die entsprechenden Kennzeichen prägen zu lassen. Direkt vor der Zulassungsstelle haben sich zwei Dienstleister in je einem Häuschen niedergelassen, einer fünf Meter vom Eingang entfernt, der andere ca. 20 Meter. Ein Dritter Anbieter liegt etwa 150 Meter weit weg, das hatte ich auf dem Hinweg aus dem Augenwinkel gesehen.

Bei der Frage, wohin man geht, landet man zwangsläufig beim Preis. Das Produkt ist überall identisch, die Qualität dürfte ebenfalls gleich sein. Eine emotionale Komponente kommt auch nicht ins Spiel, warum sollte es sexier sein, den einen zu wählen und den anderen links liegen zu lassen? Von den beiden Damen am Empfang wollte ich also wissen, ob es einen Unterschied macht, wen ich beauftrage. Ja, allerdings, sagten sie – die Preise liegen zwischen 20 und 33 Euro. Nur welcher Anbieter wie teuer ist, das dürften sie mir nicht sagen. Sie müssten neutral bleiben.

Natürlich war es dann so, dass der am weitesten entfernte Dienst die Schilder für 20 Euro herstellte. Er ist auch der einzige, der außen mit seinem Preis wirbt. Die anderen beiden direkt vor der Tür nehmen 31 und 33 Euro und geben den Preis nur auf Nachfrage bekannt.

Die Kunden scheint das aber nicht sonderlich zu stören. Die beiden Damen erklärten: Nur etwa die Hälfte aller Kunden erkundigt sich vorab, wo sie wie viel zahlen müssen. Und selbst wenn sie wissen, dass sich mit einem dreiminütigen Spaziergang 11-13 Euro sparen lassen, zieht es die Hälfte dieser Personen vor, einen der beiden nahegelegenen Anbieter aufzusuchen. Bei schlechtem Wetter sind es sogar noch mehr. Grob lässt sich also sagen: 75 Prozent aller Kunden zahlen 31 oder 33 Euro für ihr Kennzeichen. Über die Zahl der Kunden konnten die Frauen nichts exaktes sagen – aber derzeit kämen eher wenige. Gestern waren es insgesamt 150 Kunden.

Der Homo Oeconomicus, der immer auf seinen Vorteil bedacht ist und stets rational handelt: Bei der Kfz-Zulassung scheitert er.

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