Plan B

Oktober 24th, 2012 § 0 comments

Ben & Jerry’s wollte schon immer ein besonderes Unternehmen sein, eins, das nicht bloß das beste Eis herstellt und verkauft, sondern auch “die Welt verbessert”. Das Credo der Gründer Ben Cohen und Jerry Greenfield wird bis heute auf die Packungen gedruckt, und, ja, natürlich kann man den inflationär eingesetzten Spruch nicht mehr hören. Eins aber muss man B&J lassen: Das Engagement der Marke für fairen Handel und die Umwelt, die Unterstützung seiner Lieferanten oder die Zusammenarbeit mit NGOs gehen deutlich über die sozialen und ökologischen Maßnahmen hinaus, zu denen sich andere Unternehmen verpflichten. Ben & Jerry’s gelang es so, aus Kunden erst Eisliebhaber, dann Fans, dann Jünger zu machen, und bei Sozialunternehmern galt die Firma als hippe Blaupause für das eigene Geschäftsmodell.

Bis Unilever kam. Vor 12 Jahren übernahm der global agierende Multi die ehemalige Hippie-Bude – es war in den Augen vieler B&J-Anhänger der größtmögliche Sündenfall. Sie fürchteten, dass die mit viel Mühe aufgebaute Marke in dem Konzern unter die Räder kommen werde und sämtliche Ideale verraten würden. Auch Cohen und Greenfield waren dagegen, konnten die feindliche Übernahme aber letztlich nicht verhindern. Bis heute ranken sich Gerüchte um den Kauf, erst kürzlich beschäftigte sich das Fachblatt Stanford Social Innovation Review in einem ausführlichen Bericht mit dem Fall. Die Überschrift: “The Truth about Ben & Jerry’s”.

Die allermeisten Befürchtungen sind nicht eingetreten. Vielmehr muss man konstatieren, dass sich Ben & Jerry’s jetzt wieder als Pionier hervorgetan hat. In den USA ist die Firma nämlich gerade als sog. B Corporation anerkannt worden. B steht für Benefit, wer diesen Status erlangen möchte, muss sich zu gesellschaftlichen, sozialen und ökologischen Zielen verpflichten. Die Unternehmensform ist noch nicht weit verbreitet, nur acht US-Staaten haben sie bisher in ihren Gesetzen verankert. Gewinne sind ausdrücklich erlaubt und erwünscht, verhindert werden soll aber die Profitmaximierung auf Kosten anderer; es ist eine Art Hybrid aus einer gemeinnützigen Organisation und einem herkömmlichen Unternehmen.

Das Besondere daran ist aber etwas anderes: Ben & Jerry’s bleibt eine Tochter von Unilever. Rund 600 B Corporations gibt es in Amerika mittlerweile, B&J ist die erste Gesellschaft eines globalen Konzerns, die in eine B Corp. umgewandelt wird und hat sich damit u.a. verpflichtet, Arbeitern pro Stunde mind. 46 Prozent mehr als den Mindestlohn zu zahlen.

Finanziell fällt Unilever dieser Schritt bei einem Umsatz von mehr als 46 Mrd. Euro und einem Gewinn von knapp 7 Mrd. Euro (2011) vergleichsweise leicht, auch, weil die Eismarke weit davon entfernt ist, die wirtschaftlich stärkste Einheit in dem Unilever-Universum zu sein. Dem Image hilft er zudem, weil er ein wenig von dem Umstand ablenkt, dass Unilever zu den weltweit größten Palmöl-Verbrauchern gehört; für den Abbau des Rohstoffs werden Bauern von ihrem Land vertrieben und der Regenwald abgeholzt.

Trotzdem ist die Umfirmierung bemerkenswert. Sie zeigt, was möglich ist, gerade auch in einem Land wie den USA, wo die Pflicht zur Gewinnmaximierung quasi im Gesetz verankert ist. Sie ist ein Signal und sie zwingt andere Unternehmen dazu, sich mit der Idee auseinanderzusetzen. Vielleicht auch in Deutschland. Eine gemeinnützige GmbH innerhalb einer globalen AG? Warum nicht. Ich bin gespannt, ob das Signalwirkung hat.

Zum Weiterlesen:

- Co. Exist: “Ben & Jerry’s becomes a B Corporation”
- Guardian: “Parent companies don’t always know best”
- Pdf: Full Impact Assessment Ben & Jerry’s

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