Small Talk mit Folgen

Dezember 8th, 2011 § 0 comments

Natürlich war das Medienecho nach dem Guttenberg-Interview in der “Zeit” nicht überraschend. Wenn sich der gefallene Sonnenkönig zum ersten Mal nach seinem Rücktritt zu Wort meldet, hören alle hin und reden anschließend darüber. Zumal er dem Volk ja noch ein glaubwürdiges Geständnis schuldete.

Erstaunlich ist aber, wie einseitig die Kritik ausfiel. Die “Zeit” und Interviewer Giovanni di Lorenzo hätten sich zum Steigbügelhalter Guttenbergs gemacht, hätten ihm durch gefällige Fragen und einen Plauderton während des dreitätigen Treffens in London wieder in den politischen Sattel gehoben. So klang es bei Journalistenkollegen, Politikern und Lesern der “Zeit”, die direkt nach dem Erscheinen des Interviews ihr Abonnement kündigten.

Abgesehen davon, dass vermutlich jede andere Redaktion auch auf den Deal des gemeinsamen Buchs und des exklusiven Vorabdrucks eingegangen wäre: Herrscht seit dem Interview nicht Einigkeit darüber, dass Karl-Theodor zu Guttenberg viel zu früh in die Öffentlichkeit zurückgekehrt ist? Dass er auch nach einem Dreivierteljahr Bedenkzeit glaubt, lediglich Fehler gemacht aber keinen Betrug begangen zu haben? Und dass er also immer noch – oder jetzt erst recht – nicht tragbar ist für ein politisches Amt?

Diese Erkenntnis ist bei der ganzen Aufregung über den vermeintlich harmlosen Small Talk völlig aus dem Fokus geraten.

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