Deinvestieren Sie Ihr Geld!

Februar 13th, 2013 § 0 comments § permalink

An der Universität in Harvard hat sich in den letzten Monaten eine Kampagne formiert, die landesweit Studenten und Hochschulen erfasst. Angeblich ist es die am schnellsten wachsende Umweltinitiative von Studierenden der letzten zehn Jahre – und sie hat ein Ziel: Die Hochschulen sollen Gelder, die sie in klimaschädliche Unternehmen investiert haben, de-investieren, also zurückziehen und neu anlegen: in ökologischen und sozial fair handelnden Konzernen.

Als Vorbild dient den Studenten eine Bewegung in den 80ern. Damals waren es mehr als 150 US-Bildungseinrichtungen, die das südafrikanische Apartheids-Regime unter Druck setzten, weil sie ihre Gelder de-investierten. Und wer glaubt, da kämen keine relevanten Summen zusammen: Allein der Stiftungsfonds der Harvard-Universtität beläuft sich auf 32 Milliarden Dollar.

Hier geht’s zur vollständigen Geschichte: U.S. ‘Divestment’ Movement Gaining Momentum

Schilderökonomie

Februar 13th, 2013 § 0 comments § permalink

Ich musste heute morgen mein Auto ummelden. Wir sind umgezogen, von einem Bundesland ins andere, da braucht man dann neue Schilder. Nach den ersten Formalitäten ging es darum, die entsprechenden Kennzeichen prägen zu lassen. Direkt vor der Zulassungsstelle haben sich zwei Dienstleister in je einem Häuschen niedergelassen, einer fünf Meter vom Eingang entfernt, der andere ca. 20 Meter. Ein Dritter Anbieter liegt etwa 150 Meter weit weg, das hatte ich auf dem Hinweg aus dem Augenwinkel gesehen.

Bei der Frage, wohin man geht, landet man zwangsläufig beim Preis. Das Produkt ist überall identisch, die Qualität dürfte ebenfalls gleich sein. Eine emotionale Komponente kommt auch nicht ins Spiel, warum sollte es sexier sein, den einen zu wählen und den anderen links liegen zu lassen? Von den beiden Damen am Empfang wollte ich also wissen, ob es einen Unterschied macht, wen ich beauftrage. Ja, allerdings, sagten sie – die Preise liegen zwischen 20 und 33 Euro. Nur welcher Anbieter wie teuer ist, das dürften sie mir nicht sagen. Sie müssten neutral bleiben.

Natürlich war es dann so, dass der am weitesten entfernte Dienst die Schilder für 20 Euro herstellte. Er ist auch der einzige, der außen mit seinem Preis wirbt. Die anderen beiden direkt vor der Tür nehmen 31 und 33 Euro und geben den Preis nur auf Nachfrage bekannt.

Die Kunden scheint das aber nicht sonderlich zu stören. Die beiden Damen erklärten: Nur etwa die Hälfte aller Kunden erkundigt sich vorab, wo sie wie viel zahlen müssen. Und selbst wenn sie wissen, dass sich mit einem dreiminütigen Spaziergang 11-13 Euro sparen lassen, zieht es die Hälfte dieser Personen vor, einen der beiden nahegelegenen Anbieter aufzusuchen. Bei schlechtem Wetter sind es sogar noch mehr. Grob lässt sich also sagen: 75 Prozent aller Kunden zahlen 31 oder 33 Euro für ihr Kennzeichen. Über die Zahl der Kunden konnten die Frauen nichts exaktes sagen – aber derzeit kämen eher wenige. Gestern waren es insgesamt 150 Kunden.

Der Homo Oeconomicus, der immer auf seinen Vorteil bedacht ist und stets rational handelt: Bei der Kfz-Zulassung scheitert er.

Ölwirtschaft

November 1st, 2012 § 0 comments § permalink

Ich lese gerade in dem offiziellen Abschlussbericht zur Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. BP stellte als Entschädigung für wirtschaftliche Einbußen in der Region demnach 20 Milliarden USD bereit. Ausgezahlt wurden in den ersten 8 Wochen mehr als 2 Mrd. USD an etwa 127 000 Geschädigte. Zum Vergleich:

“During its two-year lifespan, the September 11th Victim Compensation Fund awarded just over $7 billion to 5,560 individual claimants.”

Und noch eine Zahl:

Steven L. Newman, der CEO von Transocean, erhielt für das Katastrophenjahr 2010 eine Bonuszahlung (inkl. Stock Options) in Höhe von 4,3 Mio. USD. BP hat Deepwater Horizon von Transocean geleast; das Unternehmen hat die Plattform gebaut und Mitarbeiter – von denen 9 starben – für die Bohrungen abgestellt. Grund für den Bonus:

“Notwithstanding the tragic loss of life in the Gulf of Mexico, we achieved an exemplary statistical safety record as measured by our total recordable incident rate and total potential severity rate … As measured by these standards, we recorded the best year in safety performance in our Company’s history, which is a reflection on our commitment to achieving an incident free environment, all the time, everywhere.”

Plan B

Oktober 24th, 2012 § 0 comments § permalink

Ben & Jerry’s wollte schon immer ein besonderes Unternehmen sein, eins, das nicht bloß das beste Eis herstellt und verkauft, sondern auch “die Welt verbessert”. Das Credo der Gründer Ben Cohen und Jerry Greenfield wird bis heute auf die Packungen gedruckt, und, ja, natürlich kann man den inflationär eingesetzten Spruch nicht mehr hören. Eins aber muss man B&J lassen: Das Engagement der Marke für fairen Handel und die Umwelt, die Unterstützung seiner Lieferanten oder die Zusammenarbeit mit NGOs gehen deutlich über die sozialen und ökologischen Maßnahmen hinaus, zu denen sich andere Unternehmen verpflichten. Ben & Jerry’s gelang es so, aus Kunden erst Eisliebhaber, dann Fans, dann Jünger zu machen, und bei Sozialunternehmern galt die Firma als hippe Blaupause für das eigene Geschäftsmodell.

Bis Unilever kam. Vor 12 Jahren übernahm der global agierende Multi die ehemalige Hippie-Bude – es war in den Augen vieler B&J-Anhänger der größtmögliche Sündenfall. Sie fürchteten, dass die mit viel Mühe aufgebaute Marke in dem Konzern unter die Räder kommen werde und sämtliche Ideale verraten würden. Auch Cohen und Greenfield waren dagegen, konnten die feindliche Übernahme aber letztlich nicht verhindern. Bis heute ranken sich Gerüchte um den Kauf, erst kürzlich beschäftigte sich das Fachblatt Stanford Social Innovation Review in einem ausführlichen Bericht mit dem Fall. Die Überschrift: “The Truth about Ben & Jerry’s”.

Die allermeisten Befürchtungen sind nicht eingetreten. Vielmehr muss man konstatieren, dass sich Ben & Jerry’s jetzt wieder als Pionier hervorgetan hat. In den USA ist die Firma nämlich gerade als sog. B Corporation anerkannt worden. B steht für Benefit, wer diesen Status erlangen möchte, muss sich zu gesellschaftlichen, sozialen und ökologischen Zielen verpflichten. Die Unternehmensform ist noch nicht weit verbreitet, nur acht US-Staaten haben sie bisher in ihren Gesetzen verankert. Gewinne sind ausdrücklich erlaubt und erwünscht, verhindert werden soll aber die Profitmaximierung auf Kosten anderer; es ist eine Art Hybrid aus einer gemeinnützigen Organisation und einem herkömmlichen Unternehmen.

Das Besondere daran ist aber etwas anderes: Ben & Jerry’s bleibt eine Tochter von Unilever. Rund 600 B Corporations gibt es in Amerika mittlerweile, B&J ist die erste Gesellschaft eines globalen Konzerns, die in eine B Corp. umgewandelt wird und hat sich damit u.a. verpflichtet, Arbeitern pro Stunde mind. 46 Prozent mehr als den Mindestlohn zu zahlen.

Finanziell fällt Unilever dieser Schritt bei einem Umsatz von mehr als 46 Mrd. Euro und einem Gewinn von knapp 7 Mrd. Euro (2011) vergleichsweise leicht, auch, weil die Eismarke weit davon entfernt ist, die wirtschaftlich stärkste Einheit in dem Unilever-Universum zu sein. Dem Image hilft er zudem, weil er ein wenig von dem Umstand ablenkt, dass Unilever zu den weltweit größten Palmöl-Verbrauchern gehört; für den Abbau des Rohstoffs werden Bauern von ihrem Land vertrieben und der Regenwald abgeholzt.

Trotzdem ist die Umfirmierung bemerkenswert. Sie zeigt, was möglich ist, gerade auch in einem Land wie den USA, wo die Pflicht zur Gewinnmaximierung quasi im Gesetz verankert ist. Sie ist ein Signal und sie zwingt andere Unternehmen dazu, sich mit der Idee auseinanderzusetzen. Vielleicht auch in Deutschland. Eine gemeinnützige GmbH innerhalb einer globalen AG? Warum nicht. Ich bin gespannt, ob das Signalwirkung hat.

Zum Weiterlesen:

- Co. Exist: “Ben & Jerry’s becomes a B Corporation”
- Guardian: “Parent companies don’t always know best”
- Pdf: Full Impact Assessment Ben & Jerry’s

Links (1)

Oktober 15th, 2012 § 0 comments § permalink

Blogs lesen, das mache ich fast jeden Tag. In mein eigenes hingegen reinschreiben, das mache ich viel zu selten. Deshalb will ich jetzt  wenigstens anfangen, ein paar Stücke zu verlinken. Das hier habe ich in den letzten Tagen gerne gelesen oder mir angesehen: